- Die USA haben Zölle von 50 % auf zahlreiche kanadische Waren angekündigt, darunter Milch und Sahne.
- Die Zölle betreffen Importe im Wert von rund 20 Mrd. USD und treten am 19. August in Kraft.
- Die Entscheidung fällt in eine Phase sinkender globaler Milchproduktpreise, während Hitze die Milchproduktion in Europa begrenzt.
Der Milchsektor im Zentrum eines Handelsstreits
Die Handelsspannungen in Nordamerika nehmen erneut zu. Am 20. Juli kündigten die Vereinigten Staaten Zölle in Höhe von 50 % auf eine umfangreiche Liste kanadischer Waren mit einem Gesamtimportwert von rund 20 Milliarden Dollar an. Die Liste umfasst unter anderem Milch und Sahne, und Milchprodukte wurden neben Alkohol und der Automobilindustrie als einer der drei Hauptstreitpunkte identifiziert. Die Zölle treten am 19. August in Kraft, sodass beide Seiten noch einen Monat Zeit für Verhandlungen haben. Der Streit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das bestehende Handelsabkommen der Region ausgelaufen ist und noch über neue Kooperationsbedingungen verhandelt wird.
Auch der Zeitpunkt dieser Entscheidung ist von Bedeutung. Die weltweiten Milchpreise sind seit mehreren Wochen rückläufig, und die jüngste GDT-Auktion endete angesichts eines starken Angebots und einer verhaltenen Nachfrage mit einem Rückgang um 4,9 %. Hinzu kommt die Hitzewelle in Europa, die die Milchproduktion einschränkt. In einigen wichtigen Ländern lag die Milchannahme in letzter Zeit um mehrere Prozent unter dem Vorjahresniveau. Somit verstärkt die Handelspolitik die Auswirkungen sinkender Preise und eines geringeren Milchangebots.
Die Handelsströme werden sich verlagern
In der Praxis bringen derart hohe Zölle den Handel nicht zum Erliegen, sondern lenken ihn lediglich um. Anstatt in die USA zu gehen, werden kanadische Milchprodukte nun Abnehmer auf anderen Märkten suchen. Amerikanischer Käse wiederum könnte es in Kanada schwer haben. Die Auswirkungen dieser Verschiebungen werden auch auf anderen Märkten sichtbar sein: In einigen Kategorien wird es ein zusätzliches Angebot geben, während andere mit einem härteren Wettbewerb konfrontiert sein werden. Für Abnehmer von Milchpulver, Butter oder Käse werden vor allem die größeren Preisunterschiede zwischen den Regionen und die weniger vorhersehbare Produktverfügbarkeit eine Rolle spielen – nicht einzelne Preisschwankungen.
In den kommenden Wochen wird der Markt gespannt beobachten, ob noch vor dem 19. August eine Einigung erzielt wird oder ob Kanada mit eigenen Zöllen reagiert. Wichtig wird auch sein, wie sich die Preise entwickeln, sobald die ersten Lieferungen in den neuen Märkten eintreffen. In der aktuellen Situation könnten politische Entscheidungen die Preise schneller beeinflussen als Angebot und Nachfrage.

